Vorfall

Im Februar 2025 detonierte in einem Viebrock-Typenhaus in Schönberg (Schleswig-Holstein) ein LG-RESU-Heimspeicher (Baujahr 2019, Gebäudefertigstellung 2020). Die Detonation riss eine tragende Außenwand heraus; alle vier Außenwände wurden beschädigt, das Gebäude muss abgerissen und neu aufgebaut werden. Trotz der enormen Druckwirkung wurde kein anhaltender Vollbrand beobachtet — das Schadensbild entspricht einer Gas-/Dampfwolken-Explosion (VCE), nicht einer klassischen Verbrennung. Viebrock versetzte alle Speicher derselben Produktionsreihe in Stand-by; LG betreibt eine Seriennummern-basierte Rückrufaktion.

Schäden nach der Schönberger Speicherexplosion

*Foto: Freiwillige Feuerwehr Schönberg via trittau-online-magazin.de / pv-magazine.de. Informations-/Lehrzweck.*

Warum Explosion und nicht Brand?

BESS-Ereignisse fallen in drei Regime: Brand (Diffusionsverbrennung, vernachlässigbarer Überdruck), Deflagration (vorgemischte Unterschallverbrennung, 0,1–0,8 bar — zerstört Mauerwerk) und Detonation (Überschall, mehrere bar). Sammeln sich Vent-Gase im geschlossenen Raum und zünden erst nach Erreichen des Zündbereichs, entsteht eine VCE mit minimalem Folgebrand — dokumentiert u. a. im APS-McMicken-Vorfall 2019 (DNV-GL, 2020).

Warum auch LiFePO₄ explodieren kann

LFP hat den höchsten Thermal-Runaway-Onset (200–250 °C vs. 150–170 °C bei NMC; Feng et al. 2018) und setzt keinen Kathoden-Sauerstoff frei. Eine einzelne LFP-Zelle neigt deshalb weniger zum anhaltenden Brand — schließt eine Explosion aber nicht aus:

1. Höherer H₂-Anteil im Vent-Gas (30–40 % vs. 20–30 % bei NMC; Bugryniec 2019, Baird 2020). H₂ hat den breitesten Zündbereich (4–75 vol %) und die höchste Brenngeschwindigkeit. 2. Längere, langsamere Gasfreisetzung — systematische Akkumulation über LEL im Technikraum, bevor sichtbare Anzeichen auftreten. 3. Geringere Selbstzündungsneigung — LFP-Gas entweicht oft ohne sofortige Zündung am Vent (kein Jet Fire), verteilt sich, erreicht den Zündbereich und zündet volumetrisch verzögert.

Diese Mechanismen sind in den Ereignissen APS McMicken 2019 (LFP), Liverpool 2020, Beijing 2021 sowie der EPRI BESS Failure Database 2024 belegt.

Konsequenzen

Explosionsschutz ist chemieunabhängig: Schwerkraft-Notlüftung (< 25 % LEL nach NFPA 855), H₂/LEL-Detektion (Alarm ≤ 10 % LEL), deflagrationsfeste Gehäuse mit Druckentlastung (EN 14491 / NFPA 68), Außenaufstellung oder EI60-Trennung, räumliche Trennung der Leistungselektronik. *„LFP ist sicher"* ist nur im engen Sinn der Einzelzell-Thermostabilität korrekt. Eine passive Außen-Schutzhülle (z. B. PassivX) verlegt das Ereignis zuverlässig außerhalb der Gebäudehülle.

*Sachverhalt Schönberg: Sandra Enkhardt, pv-magazine.de, 24.02.2025.*

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